Zweiter Verhandlungstag im Fall Raubmord in Besdorf

18.04.2026  |   Maike Dudde  |   Allgemein

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess um den mutmaßlichen Raubmord in Besdorf hat das Gericht weitere Einblicke in das familiäre Umfeld des Angeklagten erhalten.

In der Nacht zum 27. Oktober des vergangenen Jahres soll der 20-jährige Angeklagte seine Großmutter mit mehreren Messerstichen getötet haben. 

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde er bei einem Diebstahl von Bargeld überrascht. 

Als Tatmotiv wird Habgier angenommen.

 Kurz nach der Tat wurde der mutmaßliche Täter auf der Flucht mit seinem Pkw in Itzehoe festgenommen. 

Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft.

 Am Verhandlungstag sagten fünf Zeugen aus dem persönlichen Umfeld des Angeklagten vor dem Landgericht Itzehoe, Außenstelle Hohenaspe, aus. 

Der Lebensgefährte des Opfers schilderte den von ihm vorgefundenen Tatort und berichtete von den erschütternden Umständen.

 Das 65-jährige Opfer betrieb gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten einen Campinghof in der Nähe des Nord-Ostsee-Kanals bei Wacken.

 Der Angeklagte, ihr Enkel, soll trotz wiederholter Probleme – darunter Diebstähle, Arbeitsplatzverlust und Drogenkonsum – immer wieder von seiner Großmutter aufgenommen und unterstützt worden sein.

 Auch bei finanziellen Schwierigkeiten habe sie ihm geholfen, nachdem bereits seine Mutter ihn aus der Wohnung verwiesen hatte.

Zu einem endgültigen Zerwürfnis kam es offenbar dann aber auch bei der Besdorferin Anfang Oktober mit ihrem Enkel, als der Angeklagte während der Abwesenheit seiner Großmutter und ihres Partners rund 16.000 Euro aus einem Safe des Betriebs entwendet haben soll. 

Etwa 8.000 Euro konnten später mit Hilfe von Familienangehörigen zurückgeholt werden. Seit diesem Vorfall sei der Angeklagte aus dem familiären Umfeld ausgeschlossen worden, berichtete der Lebensgefährte des Opfers.

👉Nach der mutmaßlichen Tat fuhr der Angeklagte mit seinem Pkw bei Wacken im Schlamm fest, da er eine Kurve im Feld vermutlich mit zu hoher Geschwindigkeit nahm und deshalb auf einem Acker landete. 

Er lief zwei Kilometer nach Wacken und klingelte gegen 3:30 Uhr ein älteres Ehepaar aus dem Schlaf. Das Ehepaar war als Zeugen vor Gericht geladen.

Der hilfsbereite 78-jährige Mann ließ sich schließlich überreden, den Wagen vom Acker zu ziehen. 

Der Verunfallte war aufgefallen, weil er eine Tasche krampfhaft vor der Brust hielt. Ob es sich dabei um eine Tasche mit Geld handelte oder er damit seine blutverschmierte Kleidung überdecken wollte, konnte nicht eindeutig geklärt werden. 

Nach der Rettung hob der Festgefahrene zum Dank die Hand und fuhr davon. 

Nach der Mittagspause (es ist sehr schade, dass es in Hohenaspe keine Gelegenheit für die Prozessteilnehmer gibt, einen Imbiss mit Getränken zu sich zu nehmen) wurde die Freundin des Angeklagten befragt. 

👉In der Tatnacht soll der Beschuldigte zu seiner Freundin gefahren sein. Sie wurde als Zeugin zum Ablauf des Geschehens vernommen.

Laut der 20-Jährigen habe der mutmaßliche Täter ihr berichtet, dass er „Mist gebaut“ habe. 

Dabei sei auch von 20 Messerstichen die Rede gewesen. 

Aufgrund seiner blutigen Kleidung habe sie ihrem Freund, der nach Aussage „ständig unter Drogen steht“, zwar geglaubt, die Tragweite der Tat jedoch nicht wirklich erfasst.

Demnach sei sie am nächsten Morgen wie gewohnt um 6 Uhr zu ihrer Frühschicht gegangen. Am Nachmittag wurde sie jedoch von der Polizei zur Vernehmung abgeholt.

Auf die Frage des Richters, welche Drogen ihr Freund konsumiert habe, gab sie an, dass es sich um Codein, Marihuana sowie einen gefährlichen, lilafarbenen Drogenmix gehandelt habe.

Zudem habe ihr Freund eine Schusswaffe besessen. Ein Küchenmesser, das sehr wahrscheinlich als Tatwaffe diente, fehlt laut der Mutter der 20-Jährigen aus dem Haushalt, in dem die Freundin des Beschuldigten lebt.

Die Verhandlung wird am Montag im Hauptgebäude des Landgerichts Itzehoe fortgesetzt. 

Es stehen weitere Termine der Hauptverhandlung auch in Hohenaspe an.