Fotos: Theilken
Vor 20 Jahren schickte die Au-pair-Agentur Jazgul aus Kirgisistan zur Kinderbetreuung in die Familie Theilken nach Hohenaspe.
Auch nach ihrer Zeit als Au-pair blieb der Kontakt trotz der großen Entfernung und der vielen vergangenen Jahre bestehen.
Sönke Theilken, von jeher von Fernweh geplagt und neugierig auf fremde Länder, besuchte das gebirgige Land in Zentralasien in größeren Abständen immer wieder.
In diesem Jahr plante der Hohenasper gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin erneut eine abenteuerliche Reise in das rund 6.000 Kilometer entfernte Land.
Hohenasper Sönke Theilken ist zurück aus Kirgisistan (Kirgistan)

Sönke Theilken mit zahlreichen Geschichten und Fotos seiner Reise im Gepäck
Eine erste große Überraschung zeigte sich bereits nach dem Flug von Istanbul bei der Landung in Bischkek, der Hauptstadt Kirgistans.
Als Theilken vor zehn Jahren zuletzt dort gelandet war, wirkte die Stadt noch fast mittelalterlich mit kaum befestigten Straßen und sonstiger fehlender Infrastruktur.
Der jetzt erreichte internationale Flughafen präsentierte sich modern und ist überaus attraktiv gestaltet.

Wasserspiele vor dem Flughafengebäude in einer heißen Region
Wie das Paar erstaunt erfuhr, ist er einer von insgesamt vier Flughäfen, die hier innerhalb von nur eineinhalb bis zwei Jahren gebaut wurden.
„Es ist kaum zu fassen, wenn man bedenkt, wie lange die Bauzeit beim Flughafen Berlin Brandenburg gedauert hat – nämlich 14 Jahre“, erinnert sich der Hohenasper.
Auch die Stadt Bischkek selbst war kaum wiederzuerkennen.
Der Sprung vom Mittelalter in die Moderne innerhalb kürzester Zeit machte Sönke Theilken sprachlos. „Hier wurde eine ganze Epoche übersprungen“, so Theilken.
Von Eseln, die Wagen durch die Stadt ziehen, war nichts mehr zu sehen. Benzinpreise sind extrem günstig fällt den deutschen Reisenden sofort auf.
In Begleitung von Jazgul, dem ehemaligen Au-pair, und Familienmitglieder besichtigte das Paar unter anderem ein multifunktionales Großstadion für 51.000 Zuschauer.

Dort gibt es Restaurants, Einkaufszentren, Cafés, ein Kino und zahlreiche Geschäfte. Faszinierend ist auch das Großprojekt Wohnkomplex „Altai“.
Auf einer Fläche von 234 Hektar entstehen hier 1.500 Gebäude für rund 10.000 Menschen mit insgesamt 34.000 Wohnungen.

Die Fertigstellung des gesamten Projekts einschließlich der Infrastruktur ist für 2029 vorgesehen.
Woher die plötzlichen und tiefgreifenden Strukturveränderungen kommen, scheint auf der Hand zu liegen: China und Russland treten als wichtige Geldgeber und Lieferanten von Fachkräften auf.
Denn ein derart rasanter Wandel erfordert qualifiziertes Personal und eine Infrastruktur, die mit dem Tempo der Entwicklung Schritt halten kann.
👉Kirgistan ist sowohl für China als auch für Russland eine strategisch wichtige Region in Zentralasien. Während beide Mächte unterschiedliche Schwerpunkte setzen – China vor allem als wirtschaftlicher Motor und Russland als historisch verankerter Sicherheitsgarant –, ist das kleine Gebirgsland für beide von großer Bedeutung.
Seit Beginn des Ukraine-Krieges hat sich Kirgistan zudem zu einem wichtigen Handelsdrehkreuz und zu einem bedeutenden Umschlagplatz für Waren auf dem Graumarkt entwickelt.
💰Kirgistan verfügt über bedeutende Vorkommen an seltenen Erden, Gold und anderen Mineralien. Chinesische Firmen investieren massiv in den dortigen Bergbau sowie in Wasserkraft- und Solaranlagen zur Energieerzeugung.
📍Der Issyk-Kul in Kirgisistan ist der zweitgrößte Gebirgssee der Welt. Er liegt im Nordosten des Landes und wird für den Tourismus immer weiter ausgebaut.
Der nächste Stopp auf ihrer Route war das Dorf Rot-Front (auch als Bergtal bekannt).

Es liegt etwa 60 Kilometer östlich von Bischkek am Fuße des mächtigen Tienschan-Gebirges.
Das Besondere an diesem Ort: Es gilt bis heute als das letzte kompakt gegründete deutsche Dorf in ganz Zentralasien und im Dorf mit rund 900 Russlanddeutschen wird die unangemeldete Gruppe in Deutscher Sprache im Museum begrüßt.

Im Museum trifft Sönke Theilken auf den Museumsleiter, der sich um den Erhalt der ortsdeutschen und mennonitischen Erinnerungskultur kümmert. Eine Dokumentation als Video ist von Arte HIER zu finden. Oder HIER mit dem Titel „Die letzten Deutschen in Bergtal“

Auf den Schnellstraßen / Autobahnen muss man immer mit tierische Nutzern rechnen.

Nach den Ausflügen in und um Bischkek, bei heißen Temperaturen und geringer Luftfeuchtigkeit, ging es weiter in die Berge – zur Familie von Jazgul, die dort nach wie vor Schafhaltung betreibt.
Auf dem Land scheint vieles noch beim Alten zu sein, auch wenn sich die Lebensumstände in den vergangenen Jahren leicht verbessert haben.
Das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Kirgisistan liegt bei etwa 25 bis 26 Jahren.
Kinder und Jugendliche machen daher einen großen Teil der Bevölkerung aus.
Auch die besuchte Großfamilie ist mit ihren neun Kindern ein Beispiel für die nach wie vor großen Familien, die in Kirgisistan keine Seltenheit sind.
Der Hof der Familie liegt auf etwa 1.800 Metern Höhe mitten in den Bergen.
Wie schon beim letzten Besuch vor zehn Jahren werden die deutschen Gäste wieder herzlich empfangen.
Die Gastgeber lassen es sich nicht nehmen, sie mit einer großen Auswahl an Speisen zu bewirten – die Tische sind reichlich gedeckt.

Eine kleine, aber sichtbare Veränderung gibt es dennoch: Es stehen inzwischen mehr Sitzmöbel im Haus. Vor zehn Jahren war es noch üblich, auf den wertvollen Teppichen Platz zu nehmen.

Eine selten erlebte Gastfreundschaft mit angebotenen Speisen


Hier kocht die Mutter für die Großfamilie. Brennmaterial ist getrockneter Schafsdung.
.. und noch etwas begeistert die Besucher: Eine Landschaft im Hochgebirge

Hier die Rote Schlucht (Red Canyon)


… mit Toilettenhäuschen