Unter der Erde verborgen: Eisenzeitliche Entdeckungen vor dem Bau des Umspannwerks

06.05.2026  |   Maike Dudde  |   Regionales

Archäologische Funde bei Mehlbek: Einblick in die frühe Besiedlung

Fast vollständiges Gefäß aus einer ehemaligen Kalkmergelgrube der Römischen Kaiserzeit (27 v. Chr. bis 284 n. Chr.)

Im Vorfeld des geplanten Baus eines Umspannwerks durch TenneT finden seit dem 13. März archäologische Untersuchungen auf der Fläche statt. Die voraussichtlich rund sechs Monate andauernden Arbeiten geben bereits jetzt spannende Einblicke in die frühe Besiedlung der Region. 

Vor einiger Zeit erhielt ich die Frage, warum ich nicht über die archäologischen Untersuchungen auf der Fläche für das Umspannwerk zwischen Mehlbek und Kaaks berichte, da angeblich Keramiken gefunden wurden. 

Diese Information elektrisierte mich und ich fragte nach. Genaueres wusste man nicht, „aber das Archäologische Museum in Gottorf muss wegen der Funde sicher nicht ausgebaut werden”, hieß es scherzhaft.

Wie ich später herausfand, sind zwei unterschiedliche Grabungsteams vor Ort, denn bei den archäologischen Voruntersuchungen stieß man auf zwei Stellen auf der insgesamt 44 694 Quadratmeter großen Untersuchungsfläche.

Zunächst erkundigte ich mich bei der Grabungsleiterin Maren Kaube auf der Fläche rechts des Areals. Sie erzählte mir von ihren spannenden Entdeckungen. 
Es wurden nicht nur Keramiken aus der Eisenzeit gefunden. 
Zunächst sollte ich mir jedoch die Genehmigung für eine Berichterstattung von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Archäologischen Landesamts Schleswig-Holstein einholen. 

👉Heute Morgen erhielt ich eine Antwort von Birte Anspach, und ich kann Ihnen versichern, dass es sich um sehr spannende Funde handelt: 

Meldung von Birte Anspach Archäologisches Landesamt Schleswig – Holstein   

“Seit dem 13. April laufen auf einer weiteren Fläche im Vorfeld des geplanten Umspannwerks durch TenneT archäologische Untersuchungen.

 Die rund drei Hektar große Fläche liefert bereits jetzt Hinweise auf eine Siedlungstätigkeit aus unterschiedlichen vorgeschichtlichen Epochen.

 Im Zuge der Arbeiten wurden zahlreiche Befunde dokumentiert, darunter vor allem Gruben mit auffällig reich verziertem Keramikmaterial.

 Darüber hinaus konnten die Reste eines Hausgrundrisses sowie ein weiterer möglicher Gebäudegrundriss festgestellt werden. 

 Die bisherigen Funde und Befunde datieren in die jüngere Bronzezeit sowie in die Römische Kaiserzeit und belegen damit eine wiederholte oder länger andauernde Nutzung des Areals über einen weiten Zeitraum hinweg. Die Untersuchungen dauern an und versprechen weitere Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte der Region.” 

📍Fotos sollen folgen. In der kommenden Woche soll ein Termin für Fotoaufnahmen vor Ort vereinbart werden.

Archäologische Untersuchungen auf 44.694 m²: Befunde und erste Erkenntnisse

Auf der insgesamt 44.694 Quadratmeter umfassenden Untersuchungsfläche wurden bislang rund 10.000 Quadratmeter freigelegt und sorgfältig dokumentiert. Dabei konnten etwa 370 archäologische Befunde registriert werden. Neben zwei Grubenhäusern traten zahlreiche Pfostengruben, Rennöfen, Feuerstellen und Kochsteingruben zutage. Besonders aufschlussreich sind die Hinweise auf Siedlungsstrukturen: Anhand der Befunde lassen sich zwei sogenannte Sechspfostenspeicher sowie mindestens vier Hausgrundrisse rekonstruieren.

Obwohl das Fundmaterial bislang noch vergleichsweise gering ist, liefert es dennoch wichtige Erkenntnisse. In den Rennöfen gefundene Eisenschlacke weist auf eine frühe Eisenverarbeitung hin, während aus den Gruben vor allem einfache Keramikfragmente geborgen wurden.

Schon die Voruntersuchungen hatten das hohe archäologische Potenzial der Fläche erkennen lassen. Die bisherigen Ergebnisse bestätigen diese Annahme: Die Siedlungsspuren datieren von der vorrömischen Eisenzeit bis in die Völkerwanderungszeit (ca. 600 v. Chr. bis etwa 700 n. Chr.) und belegen somit eine Nutzung des Areals über mehrere Jahrhunderte hinweg. ❗Ein Betreten der Untersuchungsfläche ist durch die Sicherheitsvorgaben von TenneT nicht erlaubt.